Kennzeichnung und Zertifizierung

Lebensmittel dürfen als Bio-Produkte vermarktet werden, wenn sie nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau erzeugt worden sind. Für den Landwirt bedeutet das, bei Tierhaltung und Ackerbau die Vorgaben der Verordnung einzuhalten und sich regelmäßigen Kontrollen unterziehen zu lassen. Doch der Verbraucher bekommt im Normalfall nur das verarbeitete und verpackte Endprodukt in die Hand. Dazwischen liegt ein langer Weg und viele Verbraucher fragen sich: Ist wirklich alles "Bio", was drin ist?

95 % "Bio" sind Minimum

Tatsächlich können auch Produkte mit einem EU-Logo und Bio-Siegel ausgezeichnet werden, wenn sie noch einen geringen Anteil an Zutaten enthalten, die nicht aus kontrolliert ökologischem Anbau stammen. Aber dieser Anteil darf 5 % am Gesamtprodukt nicht übersteigen und es ist eindeutig festgelegt unter welche Ausnahmebedingungen diese 5 % eingesetzt werden dürfen. Wer also zu einem beliebigen Produkt mit dem Bio-Siegel greift, hat in der Regel 100 % Bio und ausnahmsweise mindestens 95 % Biozutaten eingekauft.

Verstecktes "Bio"

Auch in Produkten ohne Bio-Zertifikat werden gelegentlich Zutaten aus Öko-Anbau verarbeitet. Weil diese Zutaten in der Regel teurer sind als konventionell erzeugte Waren, haben die Hersteller ein Interesse, den Kunden den Einsatz von Bio-Zutaten werbend mitzuteilen. Seit 2009 besteht in der EU die Möglichkeit, dies auf der Verpackung im Zutatenverzeichnis zu kennzeichnen. Jedoch darf für das Produkt als Ganzes nicht das EU-Bio-Logo verwendet werden.

"Verstecktes Bio" ist übrigens in der Bio-Tierhaltung ein wachsendes Thema: Bio-Milch wird stärker nachgefragt als Bio-Rindfleisch. Nun gibt es Milch aber nur, wenn Kälber geboren werden. Etwa jedes zweite Kalb ist männlich und kann keine Milch geben. Diese Bullenkälber werden aufgezogen und für ihr Fleisch geschlachtet. Wenn ein Bio-Milchviehbetrieb nun aber nur seine Milch an die Kunden absetzen kann und nicht auch das Fleisch seiner Bullenkälber, hat er ein Problem. In Deutschland werden heutzutage viele Bio-Rinder aus Milchviehbeständen konventionell vermarktet, weil sie als Bio-Fleisch keinen Absatz finden.

"Bio" in Umstellung

Einen landwirtschaftlichen Betrieb kann man nicht auf Knopfdruck zu einem Öko-Hof machen. Für die Bewirtschaftung der Ackerflächen gelten je nach Anbaufrucht teils mehrjährige Umstellungsfristen. Erst nach Ablauf dieser Frist darf der Landwirt seine Waren als Bio-Produkte vermarkten. Kosten und Aufwand für den Öko-Landbau fallen aber schon in der Umstellung an.  Deshalb darf die Ware nach dem ersten Wirtschaftsjahr im ökologischen Landbau als „Umstellungsware“ gekennzeichnet werden. Mit dem Hinweis „hergestellt im Rahmen der Umstellung auf den ökologischen Landbau" dürfen aber nur Lebensmittel versehen werden, die lediglich aus einer einzigen Zutat bestehen, zum Beispiel Gemüse, Früchte oder Apfelsaft.

Weitere Informationen dazu sind zu finden unter:

http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Landwirtschaft/Oekolandbau/EG-Oeko-VerordnungFolgerecht.html

http://www.oekolandbau.de/erzeuger/rechtsgrundlagen-und-kontrolle/gesetze-und-verordnungen/